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Rotenhain verleiht „Westerwälder Bauerndiplom“

Der Alltag eines Westerwälder Landwirts als Herausforderung

Rotenhain / Westerwald.

Rotenhain, das kleine 600-Seelen-Örtchen im Zentrum der Wäller Metropolen Hachenburg, Westerburg und Bad Marienberg, ist beim jährlichen „Rock im Feld“ Tummelplatz für die Musikgrößen unserer modernen Zeit.

Nun hat das Nest am Fuße des Stöffels eine neue „Attraktion“, die sich lärmfrei aber mit genau so viel Spaß dem Dorfleben vor 100 Jahren verschreibt.

30 mutige Probanten, Gemeinderat, Ortsvereine, Dorfjugend, Rock im Feld Team haben sich am vorletzten Wochenende im April im Gäste- und Wandertreff an der alten Burg zu Rotenhain zum ersten „Westerwälder Bauerndiplom“ immatrikuliert. Bei strahlendem Sonnenschein galt es auf Einladung von HISTORICA e. V: und Ortsgemeinde, die kleinen und großen Hürden des Westerwälder Bauern vor ca. 100 Jahren zu meistern.
Nach der Einkleidung und Gruppenaufteilung erfolgt die so genannte „Basaltierung“, bei der der Vorsitzende des Prüfungsausschusses (Ortsbürgermeister Hubertus Limbach i. V. von Oberritter Pitter) die Studentinnen und Studenten auf die folgenden 3 Stunden einschwört.
Ein Mutmacher-Schlückchen „Basaltfeuer“ (51% vol.) oder „Basaltwasser“ (0% vol.)  für die Teilnehmer aus dem ebenfalls bei der Einkleidung erhaltenen „Pisspöttchen am Bande“ schließt nun den theoretischen Einleitungsteil ab und die Gruppen werden von ihren Professoren und Doktoren zur ersten praktischen Disziplin geleitet.
Großer Hunger und wenig Geld zeichneten den gemeinen Dorfbauern in Rotenhain vor 100 Jahren aus und zwangen ihn zur autarken Selbstversorgung. So galt es auch für die Teilnehmer, zuerst einen zwei nassau´sche Ruten (50qm) großen Acker zu bepflügen. Ein schwieriges Unterfangen für einige Teilnehmer, denen sich beim Pflug nicht gleich erschloss, wo denn nun vorn und hinten sei. Trotzdem schafften alle Studenten die erste Disziplin in der vorgegebenen Zeit.
Im anschließenden ersten theoretischen Teil ist das Allgemeinwissen gefragt und vier Getreidesorten gilt es zu unterscheiden. Auch diese Aufgabe erwies sich als tückisch, denn die meisten Kommilitonen kennen diese Brotbestandteile nur in verarbeiteter Form. Aber wer ernten will, muss säen – und dabei hilft auf der einen Seite, genau zu wissen, was man sät und auf der anderen Seite, sich der hungrigen Vogelschar zu erwähren, die habgierig nach der Aussaat späht:
Beim Vogelscheuchenbauen ist Kreativität und persönlicher Einsatz gefordert, denn außer zwei vom Prüfungsausschuss gestellten Holzlatten, die Körper und Arme bilden, müssen alle weiteren Materialien in der Natur gefunden werden. Den Mutigen gehört die Welt, denn Zusatzpunkte werden hier für die beherzte Einarbeitung der eigenen Reiz- und Unterwäsche vergeben.
In der Not schmeckt die Wurst auch ohne Brot. Streng getreu diesem Vorsatz waren im nächsten Parcours zwei Schweine (symbolisch dargestellt durch zwei 50-75 cm lange Baumstämme) durch den Wald zu treiben. Nach Erledigung dieser Schweins- und Schweißtreibenden Aktion musste nun der Schweinestall ausgemistet werden.
Vieh und Bauer brauchen viel Wasser; nicht minder fällt auch Jauche an. Wasserleitungen und Pumpen kennt man noch nicht; was liegt da näher, als mit einem Joch und zwei Metalleimern bewaffnet, zum Burgbrunnen/-graben zu laufen und das kostbare Nass dort abzuholen oder die Jauche in der nahe gelegenen „Puddelkaut“ zu entsorgen?
Wer beim essen schwitzt und bei der Arbeit friert, braucht Holz für den Ofen. Bei der vorerst letzten praktischen Aufgabe, dem „Fichtenfeuerholzschneiden“ dürfen die Studenten ihr Talent beim Umgang mit der Trummsäge unter Beweis stellen. Ein 50cm hoher Fichtenstamm markiert dabei das „Opfer“, das in Zweiergruppen gegen die Zeit malträtiert werden sollte.
Im zweiten theoretischen Teil wird das sprachliche Verständnis der Studierenden abgefragt. Hier gilt es, einen in tiefstem Westerwälder Platt formulierten Satz ins Hochdeutsche zu übersetzen.
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvierten alle Aufgaben in der geforderten Zeit. Damit war der Grundstein für die erfolgreiche Verleihung des Zertifikats gelegt. Doch um die Spreu vom Weizen zu trennen, wurde Frieda (noch gut bekannt vom Todtenberger Kuhscheißfest. Wir berichteten.) die schwarz-weiß gecheckte Milchkuh des heimischen Biolandwirts Arnold Abresch in den Hörsaal geführt. Hier durften sich die erfolgreichen Absolventen ihren Abschluss „summa cum laude“ (mit Auszeichnung) verdienen, vorausgesetzt, sie schafften es mit ihren Händen, einen Tropfen Milch aus Friedas prall gefülltem Euter zu melken.
Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, Hubertus Limbach und „Oberstudienritter“ Peter Benner, Präsident von Historica e.V., verliehen die ersten 30 Westerwälder Bauerndiplome – 5 davon mit Auszeichnung und werteten, genau wie alle Absolventen, den Erlebnistag als vollen Erfolg.
Schulklassen, Vereine, Gruppen oder auch Stammtische, die sich für diesen Studiengang (individuell, aber auch als Ganztages- oder Wochenend-Seminar) eintragen möchten, finden weitere Informationen im Internet unter http://www.rotenhain.de und demnächst unter http://www.bauerndiplom.de . Direkte Anmeldungen nimmt die „Uni“ Rotenhain unter der Rufnummer 02661/ 980 390 entgegen. Eine Eintragung in das Studienregister über den Pächter der Burgschänke ist ebenfalls möglich.